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Donnerstag, 11. Februar, 20 Uhr:

KIEMSA (Frankreich)

Rock'n'Roll-Bläser-Punk'n'Core

 

 

 

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Burschenschaft Normannia zu Jena PDF Print E-mail
Vorneweg: rechtsextremistische Tendenzen bzw. diesbezügliche eindeutige Ausrichtungen sind und waren in studentischen Verbindungen nicht die Ausnahme. Burschenschaften sind als konservativ - reaktionär zu betrachten.

Antidemokratische Motive finden sich eindeutig spätestens seit 1923 innerhalb studentischer Verbindungen.

So beteiligten sich bspw. Burschenschaften aktiv am Kapp- sowie Hitler-Putsch 1923. Die Verbandszeitschrift der Deutschen Burschenschaft „Burschenschaftliche Blätter“ äußerte sich dazu folgendermaßen:

„Am 8. November dieses Jahres ist in München versucht worden, eine revolutionäre Regierung der deutschen Freiheit zu bilden (...).“

(Burschenschaftliche Blätter 1923, S.1, zitiert nach: Heither, Gehler, Kurth, Schäfer: Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Studentenverbindungen, Frankfurt 1997)

 

Auch waren die sogenannten „Arierparagraphen“ keine Neuerfindung Hitlers, sondern fanden sich bereits vor 1933 in den Satzungen vieler Studentenverbindungen und zählten zu ihrer  Tradition.

So wurde dann auch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler von der Deutschen Burschenschaft und breiten Teilen anderer Studentenverbindungen ausdrücklich begrüßt: „Was wir seit Jahren erstrebt (...) ist Tatsache geworden. Das Deutsche Volk hat bei der (...) Wahl (...) zum ersten Mal seit der Schmach von 1918 bekannt, dass höchstes und oberstes Gut nationale Einheit und Freiheitswille ist.“

(Burschenschaftliche Blätter 1933, ebds.)

 

Teilnahme an den Bücherverbrennungen und schließlich die freiwillige Selbstauflösung folgen, denn: „Das Ziel der Deutschen Burschenschaft, die Einheit und Macht des Deutschen Volkes, ist durch den Führer und die NSDAP in einer Weise erreicht, wie es sich die Männer des Wartburgfestes 1817 nicht schöner hätten denken können. Für dieses Ziel zu kämpfen hat die DB nicht mehr nötig. Das Erreichte festzuhalten ist nicht mehr ihre Aufgabe, sondern die der NSDAP. Die DB hat infolgedessen keine Aufgabe mehr.“

(AstA der TU Braunschweig (Hrsg.): Die Elite der Nation bekennt Farbe, Braunschweig 1991, S.36)

 

Die Burschenschaft Normannia zu Jena steht in dieser Tradition.

 

Hervorgegangen ist die Normannia aus der Burschenschaft „Jenensia“

Diese lud 1999 zu einem Vortrag mit Peter Dehoust, Leiter des Buchverlages und Mitherausgeber der Zeitung „Nation und Europa“ ein. Nation und Europa stellt schon seit Jahren einen wichtigen Knotenpunkt im Netzwerk des internationalen Rechtsextremismus dar. „Ideologisch steht die Zeitschrift von Beginn an für die europäische Vernetzung im Geiste der Waffen-SS.“, so das Handbuch des Deutschen Rechtsextremismus.

(Jens Mecklenburg (Hg.), „Handbuch des Deutschen Rechtsextremismus“, 1996).

 

Als Ausrutscher konnte die Veranstaltung der "Jenensia" nicht bezeichnet werden. Schon mehrmals waren ausgewiesene Exponenten der rechtsextremen Szene als Referenten geladen bzw. als Besucher anwesend. U.a. zählten auch der Republikaner Wilhelm Tell und André Kapke, Führerfigur der Jenaer Naziszene, zu Besuchern bei Veranstaltungen.

Die „rechtsextreme Unterwanderung“ der Jenensia wurde vom Verfassungsschutz Thüringen festgestellt.

Begleitet von heftigen Protesten und abgesichert durch den faschistischen Thüringer Heimatschutz und Polizei konnte die Veranstaltung mit Peter Dehoust schließlich stattfinden – jedoch waren die inhaltlichen und strukturellen Verbindungen zum organisierten Neofaschismus offensichtlich geworden. 11 aktive Burschen wurden aus der Normannia entfernt bzw. schieden aus und gründeten am 14.12.1999 die Burschenschaft Normannia zu Jena.

Ihr Domizil haben sie in der Schleidenstraße 2, der Wilhelmsburg, gefunden.

Wohn- und Versammlungsraum für rechtskonservative neofaschistische Studenten ist damit vorhanden. Dafür spricht die bundesweite Vermietung der Zimmer u.a. durch Anzeigen in Nation und Europa.

Erworben wurde die Schleidenstraße 2 im Juni 2002 vom Jenaer REPUBLIKANER Wilhelm Tell und anschließend dem Verein „Jenaische Burse e.V.“ zur Verfügung gestellt.

Die Mitglieder des Vereins sprechen für sich: Peter Dehoust, der ehemalige REP-Bundesvorstand Klaus Weinschenk, der Hauseigentümer Wilhelm Tell, REP-Landesvorsitzender Schneider und Dirk Metzig, ehemaliger Pressesprecher der Burschenschaft Jenensia und mittlerweile führendes Mitglied der Normannia.

Die Zusammensetzung des Vereins „Jenaische Burse“ lassen das Landesamt für Verfassungsschutz vermuten, dass hier ein Scharnier zwischen rechtskonservativen Studenten und der Thüringer Neonaziszene entsteht.

 

Das vom 22. – 24. Februar diesen Jahres stattgefundene Stiftungsfest der Normannia vereinte altbekannte rechtskonservative Herren und neofaschistische Studenten – wieder anwesend Klaus Weinschenk aber auch – als Referent Alfred Mechtersheimer, welcher schon bei der Normannia mit antisemitischen Vorträge auftrat. 1996 wird er erstmals vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen als „einer der wichtigsten Protagonisten rechtsextremistischer Bestrebungen" wahrgenommen. Dem schließt sich Franz Gruber vom bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz an. Mechtersheimer wird wie folgt beurteilt:  „Er steht nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Er ist ein Gegner des liberalen Verfassungsstaates, und in seinen Publikationen finden Sie Anhaltspunkte für rassistische, für fremdenfeindliche, für antisemitisch motivierte Ressentiments, die er bedient.“

Rechtsextreme und rassistische Einstellungen sind in Thüringen mehrheitsfähig – dies wird allein durch die jährliche Umfrage „Thüringen-Monitor“ belegt. Strukturen und Ideologien sind und werden fest verankert – sei es an Schulen durch rechtsextreme Schülerzeitungen, in Subkulturen durch gezielte Unterwanderung, in Stadtteilen durch die Etablierung von Nationalen Zentren, an Universitäten durch Burschenschaften wie die Normannia...

Rechtsextreme Infrastruktur wird ausgebaut und erweitert – die Vernetzung der einzelnen Gruppierungen untereinander - seien es neofaschistische freie Kameradschaften oder rechtsextreme Burschenschaften, konservativ-reaktionäre Vereinigungen oder rechte Parteien nimmt zu. Bürgerinitiativen, welche mit rassistischen Ressentiments arbeiten, leisten ihren Part dazu.

Die zunehmende Entwicklung von rassistischen und rechtsextremen Tendenzen gilt es zu stoppen. Auch und gerade hier in Jena.